ZWM Alumnae & Alumni Stories Folge 3 Dr. Nicole Kaiser

Dr. Nicole Kaiser ist seit April 2021 Kanzlerin der Universität Bayreuth. Davor war sie dort zunächst als Persönliche Referentin des Kanzlers und später als Leiterin der Abteilung für Haushaltsangelegenheiten tätig.
Sie hat an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg Solzialökonomik mit den Schwerpunkten Empirische Methoden, Bildungs- und Arbeitsmarktforschung sowie Personal- und Organisaationsentwicklung studiert und zum Thema „Individuelle und strukturelle Einflussfaktoren der Mobilität bei Bildungs- und Berufsübergängen“ promoviert.

Frau Dr. Kaiser, wie hat sich Ihr Berufseinstieg in der akademischen Welt gestaltet?

Ich habe Sozialökonomik an der Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg studiert. Anschließend habe ich im Themenfeld Arbeitsmarkt- und Bildungsforschung promoviert. Parallel zur Promotion habe ich schon verschiedene Aufgaben im Bereich Wissenschaftsmanagement und Administration übernommen und bin so nach und nach immer mehr in Verwaltungs- und Governanceaufgaben hineingewachsen. 2017/18 bin ich dann Referentin des Kanzlers hier in Bayreuth geworden und habe die Universität in diesem
Zusammenhang noch aus einer ganz anderen Perspektive und mit Blick auf andere
Kennzahlen und Rahmenbedingungen kennengelernt. Während der Tätigkeit als Referentin habe ich 2019 auch den Advanced-Lehrgang am ZWM belegt. Während dieser Zeit wurde dann auch bereits klar, dass ich die Leitung der Haushaltsabteilung hier im Haus übernehmen werde. Dort konnte ich die für meine persönliche Weiterentwicklung wichtige Führungserfahrung sammeln und mir ein noch tiefer gehenderes Systemverständnis erarbeiten. Vor diesem Hintergrund habe ich mich dann auch entschlossen, „meinen Hut in den Ring zu werfen“, als durch den Weggang von Dr. Zanner nach Nürnberg die Kanzlerposition an der Universität Bayreuth neu zu besetzen war.

Zu welchem Thema wurden Sie promoviert?

Ich habe kumulativ promoviert zum Thema „Individuelle und strukturelle Einflussfaktoren der Mobilität bei Bildungs- und Berufsübergängen“. Darin habe ich u.a. Aspekte der regionalen und intergenerationalen Mobilität analysiert und zum Beispiel anhand des Übergang vom Bachelor zum Master oder den weiteren Karriereschritt in Richtung Promotion in den Blick genommen. Das heißt, ich habe mich schon sehr früh aus wissenschaftlicher Sicht mit dem Wissenschaftssystem an sich befasst.

Das klingt spannend und ist es wahrscheinlich auch noch heute für Sie, oder?

Ja, besonders, wenn ich auf spannende Daten stoße, juckt es mir buchstäblich in den Fingern, diese selbst zu analysieren und auszuwerten. Leider komme ich aufgrund meiner sonstigen dienstlichen Verpflichtungen leider gar nicht mehr zum eigenen wissenschaftlichen Arbeiten. Umso mehr freue ich mich, wenn Zeit zur Lektüre wissenschaftlicher Veröffentlichungen und Studien bleibt, um mich in neue Themen einzuarbeiten und Entwicklungen zu verfolgen. Für eigene Forschung bin ich inzwischen inhaltlich zu weit weg und vermutlich auch methodisch nicht mehr auf dem nötigen topaktuellen Stand.

Wie sind Sie denn erstmals auf das ZWM aufmerksam geworden?

Das hatte sich während meiner Tätigkeit hier als persönliche Referentin ergeben: Die Frage war, wie ich mich noch weiterqualifizieren kann und da fiel die Wahl auf das ZWM als einen zentralen Anbieter im Themenfeld Wissenschaftsmanagement und als Anbieter von Weiterbildungen, der zudem auch von den Universitäten mitgetragen wird. Das Programm des ZWM hat mich in seiner Tiefe und Breite angesprochen. In Absprache mit dem damaligen Kanzler habe ich mich dann für den Advanced-Lehrgang angemeldet.

Welche vermittelten Kenntnisse und Fähigkeiten sind Ihnen heute noch sehr von Nutzen? Was ist relevant geblieben von den Skills und dem Know-how, die der Lehrgang vermittelt hat?

Ich würde sagen, dass das Netzwerk, das sich unter den Lehrgangsteilnehmenden
herausgebildet hat, neben den interessanten Lehrinhalten und inspirierenden
Referierendeninputs den größten Mehrwert darstellt. Die unterschiedlichen Blickwinkel, die die Personen aus den verschiedensten Bereichen des Wissenschaftssystems – von Max-Planck über DFG und Hochschulen – in unsere gemeinsamen Diskussionen eingebracht haben, empfand ich persönlich als große Bereicherung und Möglichkeit, den eigenen Horizont außerhalb des rein universitären Alltags zu erweitern.
Thematisch war das angebotene Spektrum ja breit gefächert; mich persönlich haben die Themen zu Wissenschaftssystem und Wissenschaftsrecht, zu Wissenschaft, Evaluation, Forschungsevaluation und Forschungsstrategie am meisten weitergebracht, weil sich daran auch hochspannende Diskussionen mit den DozentInnen und Kommilitoninnen entzündet und gebündelt haben. Als Referentin des Kanzlers habe ich meine Erfahrungen und Erkenntnisse aus dem im Finanzbereich einbringen können und war dadurch – hoffentlich – das ein oder andere Mal eine Bereicherung für die Gruppe und in den Diskussionen – eben genau so, wie die anderen Teilnehmenden ihre individuellen Stärken und Vorkenntnisse in unsere gemeinsame Diskussionen eingebracht haben. 
Noch heute kann ich auf dieses Netzwerk zurückgreifen, um strittige Fragen vertrauensvoll und multiperspektivisch zu diskutieren.

Wenn Sie heute als Kanzlerin  InteressentInnen für das Wissenschaftsmanagement Tipps an die Hand geben sollten, sei es für EinsteigerInnen, sei es, dass jemand schon länger im Wissenschaftsmanagement tätig ist: Was würden Sie empfehlen?

Das eine ist: Immer interessiert, offen und neugierig zu bleiben. Das kann man auf verschiedene Weisen leben. Eine Möglichkeit ist sicherlich, in Weiterbildungsangebote zu gehen, eine andere, eigeninitiativ Mitverantwortung zu übernehmen, sich aktiv mit guten Lösungen einzubringen und auch überfachlich Austausch zu pflegen. Dabei sollte man immer im Blick behalten, in welchen Bereichen und in Richtung welcher fachliche Kompetenzen man sich persönlich weiterentwickeln möchte, seien es beispielsweise fachliche Themen, Soft Skills oder Führungsthemen. Ganz wichtig ist es, immer wieder in Austausch mit Personen zu treten, die einen gut kennen. Sie können beratend tätig werden und so auf dem beruflichen Weg weiterbringen. Darüber hinaus empfehle ich, neben dem reinen Weiterbildungsthema auch fachlich interessante Blogs oder Newsletter zu verfolgen und einschlägige Zeitschriften durchzublättern, einfach um Anregungen zu Themen zu bekommen, die interessant und virulent sind.

Welche Fachzeitschriften lesen Sie selbst?

Ich bin, was Lektüre betrifft, ganz breit aufgestellt und informiere mich gerne über Zeitschriften oder Projekte mit Bezug zur Hochschulforschung: Was macht beispielsweise das IHF in München oder das DZHW in Hannover? Zusätzlich dazu nehme ich auch immer wieder an Tagungen teil und bin interessiert daran, die Debatten über die größeren Themen zu verfolgen. Der Blog von Jan-Martin Wiarda oder ähnliche, auch die Klassiker wie DUZ und so weiter stehen auf meiner Leseliste.
Das heißt nicht, dass ich alles vollständig lese, doch man bekommt immer mal wieder verschiedene Anregungen zu Themen und ist über die relevanten Diskussionen auf dem Laufenden – teils schon beim Durchblättern und kursorisch Lesen.
Und dann bleibt man am einen oder anderen hängen. Ich bin auch immer eine Freundin vom Teilen von neuen Erkenntnissen, interessanten Artikeln oder guten Blog-Beiträgen. Es macht mir Freude, Kolleginnen und Kollegen einfach mal einen Lesetipp zu geben. Dabei ist es mir ein Anliegen, Wissenschaftsmanagement breit gefasst zu verstehen. Für mich gilt es, eine moderne Administration in ihrer Gänze zu begreifen. Separiert voneinander betrachtet machen Administration und Wissenschaftsmanagement in meinen Augen keinen Sinn.

Das ZWM hat den Claim „Wissenschaft braucht Management“. Können Sie das bestätigen?

Die Gegenfrage ist doch: Was benötigt kein gutes Management? Professionell betrieben kommt heutzutage kein Wissensbereich ohne qualifiziertes Management und eine mitdenkende Administration aus. Das gilt für mich als Kanzlerin genauso wie für die Kolleginnen und Kollegen auf Abteilungsleitungsebene oder ähnlichen Betätigungsbereichen und Führungsebenen.  Wir sind immer WissenschaftsmanagerInnen. Das ist das, was uns von anderen Arbeitsfeldern unterscheidet: Wir haben ein
gemeinsames Thema: Wissenschaft. Es gilt, Forschung und Lehre bestmöglich mit Support-Prozessen zu unterstützen.

Welche Aspekte in Ihrer Tätigkeit lassen morgens Ihre Augen aufleuchten, wenn Sie Ihr Büro betreten?

Zum einen, dass mir die Funktion als Kanzlerin inhaltlich sehr viel gibt und auch viel Raum für die eigene Ausgestaltung bietet. Das bedeutet, Persönlichkeiten mit zukunftsträchtigen Ideen zu identifizieren, sie zu fördern, um in konstruktiver Zusammenarbeit innerhalb der Administration sowie zwischen administrativem und wissenschaftlichem Bereich neue Projekte anzustoßen und vorwärtszubringen.
Zum anderen liegt mir am Herzen, bemerkenswerte Personen in Wissenschaft und
Administration für die Universität Bayreuth zu gewinnen. Das heißt unter anderem, sich im Rahmen von Berufungsverhandlungen darum zu kümmern, dass man spannende Persönlichkeiten, die das Profil der Universität bereichern nach Bayreuth beruft. Ich bin stolz und dankbar, diesen Prozess an der Universität Bayreuth federführend mitgestalten zu dürfen.
Natürlich ist es auch eine große Aufgabe, das Alltagsgeschäft zu bewältigen und trotzdem auch immer wieder neue Vorhaben anzustoßen, neue Projekte umzusetzen, Digitalisierung voranzutreiben, und, und, und. Dass wir zwischendurch auch unsere Erfolge feiern können, gehört ebenfalls dazu und motiviert für die Zukunft.
Und das Beste kommt zum Schluss – mit einem wunderbaren Team gemeinsam arbeiten zu können.

Sie haben gerade den Erfolgsfaktor Personal angesprochen. Was macht in Ihren Augen bei all der Variabilität, die das Wissenschaftsmanagement mit sich bringt, eine gute Wissenschaftsmanagerin, einen guten Wissenschaftsmanager aus?

Für mich zählt dazu, ein Verständnis für Wissenschaft zu haben, aber zugleich für Administration, um eben auch die beiden jeweiligen Perspektiven gut zusammenbringen zu können, zu wissen, wo verlaufen Grenzen? Aber auch: Wie finde ich Lösungen, warum, wofür?
Zum anderen ist für mich ein guter Wissenschaftsmanager, eine gute Wissenschaftsmanagerin jemand, der Teamplayer ist, der eben Lösungen mit anderen gemeinsam sucht, der die verschiedenen Punkte zusammen- und voranbringt – mit Interesse an und Neugier auf Wissenschaft, mit Gespür für die eine oder andere Besonderheit des
Wissenschaftssystems und Lust darauf, in diesem System etwas mitzugestalten.

Haben Sie noch Kontakt zu anderen Alumnae und Alumni des Lehrgangs und gibt es einen oder mehrere KommilitonInnen aus dem Advanced-Lehrgang, die Sie kontaktieren, wenn Sie zu einer Fragestellung gerne mal eine weitere, unabhängige Meinung hören würden?

Ja, wir haben einerseits noch losen Austausch als Gruppe untereinander und mit einzelnen auch bilateral. Wir versuchen, uns immer wieder mal virtuell zu treffen und der Kontakt unter uns KursteilnehmerInnen des Jahrgangs 2019 ist noch lebendig. Während der Dauer des Lehrgangs ist doch ein großes Vertrauen zueinander entstanden. Wir haben uns gegenseitig recht gut kennengelernt und es ist sehr hilfreich, unterschiedliche Perspektiven aus den diversen Einrichtungsarten authentisch vermittelt zu bekommen und auch mal in Austausch mit jemand Vertrautem in einer anderen Organisationseinheit mit anderen Strukturen treten zu können, ist bis heute bereichernd für mich.

Gibt es noch eine WhatsApp Gruppe?

Wir hatten damals überraschenderweise keine WhatsApp Gruppe, wir nutzen ganz klassisch E-Mail-Verteiler.

Empfehlen Sie selbst das ZWM Ihren MitarbeiterInnen weiter? Die Universität Bayreuth ist ja institutionelles ZWM-Mitglied.

Ja, wir als Einrichtung bringen immer wieder gerne neue Impulse und Vorschläge
ein, woran wir WissenschaftsmanagerInnen arbeiten sollten, und sind gespannt, was davon in welcher Form das ZWM aufgreift und umsetzt. Selbstverständlich nehmen aus unserem Haus immer wieder ausgewählte Personen an adäquaten ZWM-Weiterbildungsangeboten teil.

Haben Sie vielen Dank für das informative Gespräch!

Das Interview führte Theo Hafner.

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