Die Menschen am ZWM: Folge 5 Marina Schmidt

Marina Schmidt ist Referentin für Weiterbildung am ZWM. Ihre Aufgabenschwerpunkte sind die mediendidaktische Gestaltung digitaler Lernformate sowie die Konzeption und Betreuung von virtuellen und Präsenzveranstaltungen. Nach ihrem Philologie Studium der Slavistik und Romanistik an der Eberhard Karls Universität Tübingen war sie zunächst in der beruflichen Weiterbildung tätig und leitete bis 2011 die Geschäftsstelle eines privaten Bildungsträgers für IT, Personal und Management in Karlsruhe. Von 2012 bis 2021 war sie Koordinatorin am Zentrum für Fernstudien und Universitäre Weiterbildung (ZFUW) der Universität Koblenz-Landau. Dort entwickelte und betreute sie Fernstudiengänge und akademische Weiterbildungsangebote im Bereich Management in Präsenz und online. Seit April 2021 gehört sie zum Team des ZWM.

Liebe Marina, man könnte Dich als Spezialistin in Sachen Digitalisierung von Lehrinhalten bzw. hybridem Lernen bezeichnen – was war die erste berufliche Station, die Dich damit in Berührung gebracht hat? 

Der Einstieg in die Weiterbildung war bei einem privaten Weiterbildungsträger, der WBS TRAINING AG, die deutschlandweit in jeder größeren Stadt vertreten ist. Für die WBS habe ich ab 2009 eine kleine Geschäftsstelle in Karlsruhe geleitet, mit Weiterbildungsangeboten zu den Themen Management, IT und Personal. Dort fing die sukzessive Loslösung vom räumlich gebundenen Lehren und Lernen an, das waren die Anfänge des WBS-LernNetzes. Die treibende Kraft war: Es müssten doch mit einem Lehrangebot mehr Menschen erreicht werden können als diejenigen, die an den jeweiligen Standort kommen können. Also fingen wir an, Weiterbildung als Hybridveranstaltungen anzubieten: In einem Raum saß eine Dozentin oder ein Dozent vor mindestens zwei Bildschirmen – und hinter den Bildschirmen saß zusätzlich noch eine Klasse mit einer Handvoll Teilnehmenden – so wurden die Inhalte an die Klasse und an virtuelle TeilnehmerInnen an vielen anderen Standorten vermittelt. Anfangs hat die Technik etwas geruckelt und wurde laufend weiter optimiert – doch insgesamt hat das gut funktioniert: Wir haben die Inhalte, die zuvor in Präsenz angeboten wurden, didaktisch umgestellt – und das wurde gut angenommen. 

2009, das war ja ein sehr früher Zeitpunkt der Etablierung von Digitalisierung in der Weiterbildung. Wie ging es weiter? 

Meine zweite Station war gezielt das Fernstudium an der Universität Koblenz-Landau. Da suchte ich den Weg zur Hochschulbildung – am Zentrum für Fernstudien und Universitäre Weiterbildung ZFUW. Dort war ich an der Konzeption und Betreuung von Zertifikatslehrgängen, Webinaren, aber auch Fernstudiengängen beteiligt – alles im Blended Learning-Format. Das Spannende für mich war, dass das Angebot auf berufsbegleitende Karriereentwicklung zugeschnitten war. Und auch hier waren die Vorteile von Online-Lehre wieder die Vereinbarkeit von Weiterbildung, Beruf und Familie. Diesmal war es keine Not, Präsenz ins Digitale umzustellen, sondern von Anfang an so konzipiert und didaktisch aufbereitet. Das Lehrformat bestand aus einer Kombination von Blockpräsenzveranstaltungen, die an Wochenenden am Unicampus stattfanden und Online-Veranstaltungen – sowohl als synchrone wie asynchrone Seminare. Diese Konstellation wurde durch die eingesetzte digitale Lernumgebung ergänzt, die digital aufbereitete und jederzeit online zugängliche Lernmaterialien wie zum Beispiel Studienbriefe zum eigenverantwortlichen Selbststudium umfasste – und darüber hinaus auch verschiedene Kommunikationswerkzeuge wie etwa Diskussionsforen, die den fachlichen Austausch zwischen den Teilnehmenden und Lehrenden unterstützten. 

Dort als Koordinatorin warst Du für die Planung, Organisation und Durchführung des Bildungsangebotes zuständig, für die inhaltliche Gestaltung und hast Dich mit didaktischen Fragen beschäftigt – wie genau hat man sich das vorzustellen?  

Die Bezeichnung Koordinatorin passt recht gut für die dortige Schnittstellenfunktion. Wir vom Zentrum für Fernstudien haben die Lehrenden – das waren HochschullehrerInnen, die ohnehin hauptberuflich in der (Präsenz-)Lehre tätig waren und bei uns nebenberuflich aktiv waren – dabei unterstützt, die Lehrinhalte mediendidaktisch zu gestalten. Wir haben hierfür unter anderem Vorlagen und Handreichungen gestaltet. Die inhaltliche Verantwortung lag bei den Lehrenden. Doch die Inhalte dann etwa für die Vermittlung per Video anzupassen, erfordert natürlich noch eine zusätzliche Anstrengung. Technisch fußte unser Learning Management System auf OLAT, der Plattform, die ja auch die rheinland-pfälzischen Universitäten nutzen. 

So zieht sich also durch Deine berufliche Biografie schon lange das Thema Digitalisierung als roter Faden, den Du nun am ZWM weiterspinnst. Bei der ersten digitalen State-of-the-Art-Tagung des ZWM „New Work@Science“ hast Du dieses Leitmotiv fortgesetzt. Wie bist Du am ZWM 2021 digital aktiv geworden? 

Das war wieder eine andere Herausforderung: Das ZWM hatte ja vorher ausschließlich Präsenz-Veranstaltungen angeboten und sah sich gewissermaßen durch die Corona-Krise gezwungen, forciert auf digitale Lehre umzustellen. Viele Veranstaltungen liefen, als ich 2021 zum ZWM kam, also bereits online und für die Jahrestagung 2021 war die einzig mögliche Variante, diese online durchzuführen. Meine Kollegin Judith Enders und ich haben damals die Tagung mit über 150 TeilnehmerInnen organisiert – wir haben geprüft, welche technischen Möglichkeiten sich anbieten und haben uns für Zoom entschieden. Durch die Corona-Krise hatten viele universitäre Einrichtungen schon Erfahrungen damit gesammelt. Die Tagung wurde gut angenommen und die Rückmeldungen waren durchweg positiv. Mittlerweile hat das ZWM den Schwerpunkt nochmals ganz neu gesetzt und hat 80 bis 85 % seiner Veranstaltungen auf das Online-Format umgestellt. 

Unsere Erfahrung zeigt, dass bestimmte Themen z.B. aus der Kommunikation sich weiterhin besser für Präsenz-Vermittlung eignen, aber auch, dass durchaus qualitativ hochwertige Online-Veranstaltungen realisiert werden können und führen ab Herbst 2023 erstmals den Lehrgang für WissenschaftsmanagerInnen in einem zweiten Turnus als Online-Lehrgang durch. 

Was ist für wen am besten geeignet, wem würdest Du einen Präsenz-Lehrgang empfehlen und wem den Online-Lehrgang? 

Unsere Zielgruppe ist breit gestreut, auch Teilzeitbeschäftigte oder junge Eltern und mit Care-Arbeit Beschäftigte aus dem Wissenschaftsmanagement, die nicht die Möglichkeit haben, in einem Lehrgang z.B. vier Module à vier Tage zu besuchen – und die Reise auf sich zu nehmen, zählen zu unseren TeilnehmerInnen. Für diese Gruppen ist das Online-Format die Veranstaltungsmethode der Wahl. Für InteressentInnen, die persönlichem Kontakt und Netzwerken in einer realen Gruppe Vorrang einräumen, sind Präsenz-Veranstaltungen passender. 

Wenn Du uns einen Blick in Deine Trickkiste gestattest, Marina: Wie funktioniert der Kunstgriff, dass auch in Online-Veranstaltungen eine persönliche, nahbare und vertrauensvolle Atmosphäre für die Teilnehmenden entsteht? 

Wir haben aus der Erfahrung gelernt, dass der persönliche Kontakt auch online möglich ist. Die Befürchtung, dass Netzwerken nur in Präsenzveranstaltungen gut funktioniert, ist unberechtigt. Denn digitale Vernetzung geht doch weit über die Grenzen von Raum – und auch Zeit – hinaus! Wir achten darauf, dass neben Inhaltsvermittlung per Lehrvortrag im Zoom-Raum eine intensive Interaktion in Gruppenarbeiten stattfindet und auch durch Umfragen, Quizze und andere Tools aufgelockert wird. 
Aktuell sind wir dabei, eine Lernplattform einzusetzen, die nicht nur Lehrmaterial und Lernvideos fürs Selbstlernen bereitstellt, sondern bei der – etwa in einer „Sprechstunde“ – die Lehrenden persönlich und live Rede und Antwort stehen und Fragen beantworten. Von daher sind wir sehr zuversichtlich, dass die Dozierenden und die Teilnehmenden auch online miteinander vertraut werden. Für den Lehrgang für WissenschaftsmanagerInnen setzen wir diese Lernplattform, eine Art Online-Campus ein, bei der die Teilnehmenden sich jederzeit per Einladungs-Link anmelden können (ohne Software downloaden zu müssen) und in einen geschützten Raum mit ihren persönlichen Seminarräumen und „Bücherregalen“ eintreten und diese nutzen können. Ich freue mich, im Herbst unseren Klassiker, den Lehrgang für WissenschaftsmanagerInnen, online mit den Teilnehmenden durchzuführen – zum ersten Mal als Gesamtkonzeption und bin sehr gespannt, wie die Resonanz sein wird. 

Wie siehst Du die weitere Entwicklung im Weiterbildungsmarkt hin zu Online – natürlich auch aus ZWM-Perspektive? 

Das digitale Lernen fing bereits vor vielen Jahren an und nimmt immer weiter zu. Im Verlauf der Corona-Krise haben wir gesehen: Das funktioniert. Je interessanter wir die Inhalte online vermitteln, umso attraktiver wird das Online-Angebot auch für WissenschaftsmanagerInnen, denn es spart Zeit, es spart Ressourcen, und in unserer schnelllebigen Welt ist das ein Trend: Wir wollen alles haben – Familie, Karriere, Weiterbildung, doch wie bringt man das alles zusammen? In so einem Online- Format funktioniert es – das digitale Lernen wird immer beliebter. Und wenn wir es schaffen, dass der persönliche Austausch, das Gespür für die TeilnehmerInnen und der Teilnehmenden untereinander nicht verloren geht, haben wir gute Aussichten auf zufriedene Kunden – gerade, wenn unsere Plattform uns als Infrastruktur dabei unterstützt. Deswegen möchte ich gerne wieder zu meinen Wurzeln des Blended Learning kommen – der Trend geht meiner Meinung nach dahin, dass TeilnehmerInnen online auch zu einer Tageszeit, zu der das ZWM niemals einen Workshop anbieten würde, etwa nachts um zwölf oder frühmorgens um fünf Lernmaterialien durcharbeiten können, doch dass genauso Zeit für digitale Präsenztreffen, für Austausch, Fragen und Fallberatung bleibt. Auch kürzere Online-Formate – wie etwa Kompakt-Webinare werden mittlerweile bei uns am ZWM sehr gut angenommen. 

Wir hatten zu Beginn das Thema Work-Life-Balance angeschnitten – im Zusammenhang mit den Chancen, die Online-Veranstaltungen unseren TeilnehmerInnen bieten können. Auch für Dich persönlich, Marina, ist das eine relevante Fragestellung, ein ganz persönlicher Lebensaspekt? 

Ich lebe das ja selbst: Ich bin sehr dankbar, dass ich als Mutter eines Grundschulkindes durch die Möglichkeiten der Digitalisierung meine beruflichen Aufgaben wahrnehmen und das mit meinen familiären Pflichten in Einklang bringen kann. Für mich ist die Vereinbarkeit von Beruf und Familie sehr wichtig und wir als Referentinnen können am ZWM zum einen großenteils sehr flexibel arbeiten, was die Arbeitszeit betrifft. Zum anderen können wir im Homeoffice oder Remote arbeiten, was vieles unglaublich erleichtert. Mein Sohn ist in der ersten Klasse – eine besonders intensive Zeit. Ich bin sehr gerne Mutter, ich arbeite genauso gerne und bin sehr froh, dass unsere Zeit die Möglichkeiten schafft, beides zu vereinbaren. 

Diese Flexibilität und das dadurch ermöglichte Weiterkommen, das ist der große Gewinn unserer Gegenwart. Lebenslanges Lernen ist dadurch möglich, dass man flexibel bleibt, wenn man sich im Wesentlichen nicht einschränken muss, weder in der Karriereplanung, noch in der Familie und Care- Arbeit zuhause. Deswegen heißt es: Offen sein für diese Möglichkeiten des Digitalen. Der Nutzen, den Digitalisierung und digitale Weiterbildung bringen, ist so viel größer als die vermeintlichen Nachteile. 

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Gespräch führte Theo Hafner.

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